RunnerNeu23.07.2026Donnerstag, 23. Juli 2026 22:520 gefällt das
Runner
Dominik Leinen
Beilingen
Deutschland . RP
Der dritte Tourtag startete wieder mit dem reichhaltigen Frühstücksbuffett, ehe uns der Bus um 08:50 Uhr vor dem Hotel einsammelte. Erneut führte uns die Fahrt durch den Namsan-Tunnel und nach Überquerung des Han Rivers über den Expressway 1 (Gyeongbu Expressway) gen Süden. Die älteste und wichtigste Autobahn des Landes verbindet die Hauptstadt im Norden entlang der Großstädte Ulsan, Daegu und Daejeon mit der zweitgrößten Stadt Südkoreas, Busan im Süden. Letztere stand allerdings erst später auf unserem Plan, an diesem Tag blieben wir noch im Großraum Seoul. Bei Seongnam passierten wir eine der größten Mautstellen des Landes mit 30 Mautstationen, ehe wir am Kreuz Singal auf den Expressway 50 (Yeongdong Expressway) wechselten. Dieser stellt wiederum die nördlichste Autobahnverbindung von Küste zu Küste dar, nämlich von Incheon an der Westküste nach Gangneung an der Ostküste.
Singal wiederum ist ein Stadtteil von Yongin (das Bild zeigt allerdings den Stadtteil Mabuk).
Interessanterweise ist Yongin flächenmäßig nur wenig kleiner als Seoul, allerdings leben hier nur knapp über eine Million Menschen, da über 50% des gebirgigen Stadtgebiets bewaldet sind und weitere 20% landwirtschaftlich genutzt werden. Außerdem eröffnete 1974 das Korean Folk Village in Yongin - ein Freilichtmuseum, für das über 250 traditionelle Häuser aus verschiedensten Landesteilen zusammengetragen, restauriert und nachgebildet wurden, um ein authentisches Dorf der späten Joseon-Zeit darzustellen und den Besuchern das traditionelle koreanische Leben und die koreanische Kultur näher zu bringen. Wir besuchten dagegen die zweite große Touristenattraktion der Stadt, welche 1976 eröffnet worden war.
Ein gewisser Lee Byung-Chull - 1910 als Sohn einer wohlhabenden Landbesitzerfamilie geboren - zog 1930 nach Tokio, um an der Waseda-Universität Wirtschaftswissenschaften zu studieren. Allerdings soll er lieber Fabriken besichtigt haben, als sich um seine Schulaufgaben zu kümmern. Außerdem litt er an der schweren Mangelerkrankung Beriberi, weshalb er sein Studium schon Ende 1931 wieder abbrechen musste. Zurück in Korea blieb Lee arbeitslos und verbrachte seine Zeit oftmals bei Glücksspielen mit seinen Freunden - bis er eines Nachts die Erkenntnis hatte, dass er mit dieser Untätigkeit nicht nur sein Leben verschwende, sondern auch die Zukunft seiner drei Kinder aufs Spiel setze. Also bat er seinen Vater um Startkapital und übernahm 1936 zusammen mit Freunden eine Reismühle in Masan (heute Teil von Changwon). Zunächst lief das Geschäft gut, doch dann schlugen die staatlich gelenkte Wirtschaft während der japanischen Kolonialzeit und die Volatilität der Reispreise zu. Die Mühle hatte in der Erwartung steigender Reispreise große Reisvorräte angelegt, doch stattdessen stürzten die Preise ab und das Unternehmen musste Bankrott erklären. Auch der Versuch, mit Grundstücksgeschäften erfolgreich zu werden, scheiterte letztlich an äußeren Einflüssen. Nachdem Lee mit akribischer Recherche und perfektem Timing die Verluste aus dem Reismühlen-Fiasko mehr als ausgeglichen hatte, musste er wegen eingefrohrener Bankkredite infolge des Chinesisch-Japanischen Krieges seine Grundstücke unter Wert verkaufen, um seine Schulden begleichen zu können.
Doch Lee hatte seine Fehler erkannt und daraus gelernt. 1938 gründete er mit dem Erbe seiner Eltern ein neues Unternehmen, welches zunächst auf den Handel mit Lebensmitteln, sowie deren Import und Export ausgerichtet war. In den 1950ern errichtete Lee die erste Zuckerraffinerie des Landes und eine Textilfabrik. Außerdem wurden Versicherungsanbieter, Bauunternehmen und sogar ein Krankenhaus übernommen. Der Mischkonzern erweiterte seine Geschäftsfelder in den 1960ern weiterhin um Chemieunternehmen, Medienunternehmen und 1969 wurde auch ein eigenes Elektronikunternehmen gegründet, welches heute wohl den bekanntesten Zweig des Konglomerats darstellt. Das Lebensmittelhandelsunternehmen, mit dem all dies begann, hieß übrigens Samsung Sanghoe und legte den Grundstein für den heute größten koreanischen Konzern, die Samsung-Gruppe. Übersetzt bedeutet Sam dabei drei, Sung steht in diesem Fall für Stern, das Unternehmen heißt also Drei Sterne.
Was das mit unserer Freizeitpark-Tour zu tun hat, fragt ihr? Nun, eben jene Samsung-Gruppe plante in den 1970ern ein Landwirtschafts-Zentrum, welches demonstrieren sollte, wie man das koreanische Bergland produktiv für Ackerbau und Viehzucht nutzen könnte. Angeblich war zunächst Anseong als Standort angedacht, aufgrund des Widerstands aus der Bevölkerung wich man aber nach Yongin aus, wo 1976 schließlich Yongin Farmland eröffnet wurde. Neben dem landwirtschaftlichen Aspekt sollten ein Botanischer Garten, ein Zoo mit Asiens erster Safari mit freilaufenden Löwen und ein kleiner Freizeitpark mit 9 Attraktionen Besucher nach Yongin locken. Unter den 9 Attraktionen war sogar schon eine Achterbahn, die wurde aber leider 2004 abgerissen. Dafür begann in den 80ern der Ausbau des Freizeitparks, der sich mit einer massiven Expansion in den 90ern zum heute größten und bekanntesten des Landes entwickelte.
Zum 20-jährigen Jubiläum 1996 erfolgte die Umbenennung zum heutigen Everland.
Neben dem namensgebenden Freizeitpark umfasst das rund 149 Hektar große Resort auch das 1982 eröffnete Ho-Am Art Museum (Ho-Am war der Künstlername des Samsung-Gründers Lee Byung-Chull), der 1995 als erste permanente Rennstrecke Koreas eröffnete Everland Speedway (bei der FIA als Samsung Speedway geführt), der 1996 eröffnete Wasserpark Caribbean Bay, das 1998 als Samsung Transportation Museum eröffnete Samsung Fire & Marine Insurance Mobility Museum und der 1999 eröffnete Glen Ross Golf Club. Außerdem gibt es seit 1995 auch parkeigene Übernachtungsmöglichkeiten in Form des im alpinen Blockhütten-Stil erbauten Home Bridge Cabin Hostels. 2002 wurde ein Gebäude des ebenfalls auf dem Areal liegenden Ausbildungszentrums zum Home Bridge Hillside Hostel umgebaut, dieses wurde aber schon 2017 wieder geschlossen. Dafür wurde das Blockhütten-Hotel 2006 mit einem modernen, vierstöckigen Neubau erweitert und Ende 2025 kam mit dem Snow Peak Everland Campsite ein eigener Campingplatz hinzu.
Dass der Busparkplatz, auf den wir nach gut 40-minütiger Fahrt einbogen, lediglich durch eine Straße und ein paar Bäume vom Everland Speedway getrennt wird, war mir vor Ort leider nicht bewusst. Nachdem Samsung 1976 bereits die Übernahme des damals führenden südkoreanischen Automobilhersteller Shinjin Motors erwogen hatte und ein Joint Venture mit Chrysler 1984 auf Druck der Regierung wieder verworfen wurde, versuchte man in den Folgejahren eine technische Zusammenarbeit mit diversen Autobauern zu erreichen. 1990 wurde schließlich ein Lizenzierungsabkommen mit der Nutzfahrzeugsparte Nissan Diesel geschlossen, aber auch hier blockierte die Regierung das Vorhaben zunächst zum Schutz von Hyundai und KIA. Daher baute Samsung Heavy Industries 1994 einen Formel-3-Rennwagen und bewies mit Testfahrten auf dem noch nicht eröffneten Everland Speedway (bzw. damals noch Yongin Motor Park), dass man dem Automobilbau gewachsen war. Zudem waren Prototypen von Elektroautos gebaut worden, die aber nie in Serie gingen. Stattdessen wurden nach dem Einlenken der Regierung lediglich Nutzfahrzeuge basierend auf LKWs von Nissan Diesel gebaut, zunächst durch Samsung Heavy Industries, ab 1996 durch das ausgegliederte Tochterunternehmen Samsung Commercial Vehicles. Im PKW-Bereich wurde bereits 1995 Samsung Motors gegründet, welche mit dem SM5 jedoch nur ein einziges Modell auf den Markt bringen konnten (und auch dieses basierte auf einem Nissan). Aufgrund der Asienkrise 1997/ 1998 mussten beide Unternehmen Konkurs anmelden. Samsung Motors wurde größtenteils von Renault übernommen und produzierte als Renault Samsung Motors seit 2000 auf Renault-Modellen basierende Fahrzeuge (inzwischen baut man als Renault Korea einfach direkt Renaults). Für Samsung Commercial Vehicles fand sich dagegen kein Käufer und die LKW-Produktion wurde Ende 2000 eingestellt. Der ursprünglich 2,1 km lange Speedway blieb dagegen für Testfahrten und kleinere Rennveranstaltungen in Betrieb, bis er 2008 für eine Modernisierung geschlossen wurde. Im Zuge dessen wurde das Layout zwischen den Kurven 5 und 10 angepasst und mit einer zusätzlichen Schleife verlängert. Doch eine Wiedereröffnung blieb aus. Offenbar herrschte bei der Unternehmensführung Uneinigkeit darüber, welchem Zweck die Rennstrecke künftig dienen sollte. Zumal es mit dem Taebaek Speedway inzwischen eine zweite Rennstrecke in Korea gab und mit dem für die Formel 1 gedachten Korea International Circuit eine weitere im Bau war. Letztlich entschied man sich, noch einen Schritt weiter zu gehen und die Strecke (mutmaßlich durch den von diversen Formel-1-Strecken bekannten Streckenarchitekten Herman Tilke) mit einer neuerlichen Erweiterung auf 4,5 km auszubauen - inklusive einer Überführung wie in Suzuka. Aber auch nach dieser 2011 fertiggestellten Erweiterung blieb der Speedway aufgrund einer familiären Auseinandersetzung der Samsung-Eigentümer geschlossen. Erst 2013 wurde die Strecke endlich wieder freigegeben, wenn auch zunächst nur als exklusive Location für private Testfahrten, Produktpäsentationen oder Track-Days von Automobilherstellern. Aber 2016 fand auch wieder ein erstes Rennen auf der "neuen" Strecke statt. Zwischenzeitlich gab es wohl Pläne, die Strecke abermals umzubauen - zu einem Testgelände für autonome Fahrzeuge, womit die Ära als klassische Rennstrecke wohl endgültig beendet worden wäre. Das wurde bislang aber nicht umgesetzt, stattdessen lässt ein umfangreiches AMG-Sponsoring darauf schließen, dass die Strecke vorerst weiterhin für Motorsportveranstaltungen, Testfahrten und Markenerlebnisse genutzt werden wird.
Aber kommen wir endlich zum Freizeitpark, dessen Eingangsbereich sich direkt gegenüber befindet.
Also rechterhand außerhalb des Bildrandes befindet sich die Start-Ziel-Gerade des Speedways, linkerhand ist der Freizeitpark-Eingang zu sehen und würde man weiter geradeaus gehen, würde man irgendwann auf den Wasserpark stoßen. In einem der Shops vor dem Eingang (leider nicht mehr auf dem Bild) kann man sich übrigens eine koreanische Schuluniform für seinen Everland-Besuch ausleihen. Das scheint tatsächlich ein überaus beliebter Trend in den größeren Parks des Landes zu sein. Offenbar wollen sich die Koreaner so in ihre Jugend zurückversetzen, wo sie mit der Schule Ausflüge in eben jene Freizeitparks unternommen haben. Und viele Touristen springen auf den Zug auf, um voll in die K-Drama-Welt einzutauchen - und natürlich für Social-Media-Fotos. Von uns hat sich das aber glaube ich niemand angetan.
Wir gingen an den bereits auf Einlass wartenden Menschenmassen vorbei bis ganz nach Rechts zum Eingang für Grupen.
Kurz vor 10 Uhr startete der Einlass und wir kamen auch recht schnell hinein.
Die Main Street mit Shops und Restaurants greift als Global Fair berühmte Baustile aus aller Welt auf.
Meistens eher lose wie die gotische Architektur oder die russisch-orthodoxen Zwiebeltürme.
Andere mit recht konkreten Vorbildern, wie Elemente von Hagia Sophia, sowie Markusturm und Dogenpalast in Venedig.
Tatsächlich hat man bei den meisten Gebäuden den Eindruck, sie schonmal gesehen zu haben, obwohl es sich eben nicht um konkrete Nachbauten handelt. Aber ganz so genau schauten wir am Morgen auch ehrlicherweise nicht hin, denn wir waren mit der App des Freizeitparks beschäftigt. Wohl ein Nachteil daran, wenn einer der größten Smartphone-Hersteller der Welt seine Finger im Spiel hat. 2020 wurde nämlich die Smart Queue eingeführt, bei der man sich virtuell über die App anstellen muss. Leider ähnlich bescheuert wie im Universal-Wasserpark Volcano Bay mit den TapuTapu-Armbändern, man kann sich also immer nur an einer einzelnen Attraktion virtuell anstellen, eine normale Standby-Queue gibt es bei den entsprechenden Attraktionen derweil nicht.
Während wir also die Main Street entlang liefen, registrierten wir unsere Tickets in der Everland-App...
und versuchten, die erste Smart Queue zu buchen. Aber nicht auf der erstbesten Achterbahn direkt am Ende der Main Street.
Sondern selbstverständlich auf der Hauptattraktion des Parks, der Holzachterbahn T Express. Ich glaube, wir (also die von den Vortagen bewährte 4er-Gruppe aus Christian, Christophe, Daniel und mir) hatten uns dazu entschieden, eine Gruppe zu bilden, um auch die gleichen Zeitslots zugewiesen zu bekommen. Nur Christophe war etwas zu schnell und hatte schon selbst einen Zeitslot gebucht - tatsächlich mit weniger Wartezeit als wir übrigen drei. Glücklicherweise beschränkt sich die Smart Queue im Everland auf einige bestimmte Attraktionen (Hauptattraktionen wäre zu hoch gegriffen, wie später klar werden sollte). Im Gegensatz zu Volcano Bay bleibt zumindest noch eine ausreichend große Auswahl an Fahrgeschäften, bei denen man sich in der Zwischenzeit ganz analog anstellen kann.
Am Ende der Main Street geht die Global Fair in den Themenbereich American Adventure über.
Interessanterweise gehört(e) Pride in Korea zu eben jenem amerikanischem Themenbereich.
Dabei handelte es sich um eine multimediale Erlebnisausstellung zur koreanischen Geschichte und Kultur, die 2015 in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Wissenschaft, IT und Zukunftsplanung eröffnet wurde. Hauptbestandteil war ein 4D-Kino, an anderen Stationen kamen aber auch von Samsung entwickelte VR-Brillen und AR-Technik zum Einsatz. Nachdem die Ausstellung aufgrund der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie geschlossen bleiben musste, wurde 2022 beschlossen, Pride in Korea nicht wieder zu öffnen. Auch die Kindererlebniswelt Kizcovery in der unteren Etage der Halle hat die Pandemie nicht überlebt. Inzwischen dient die Halle abseits der Service-Einrichtungen und der neuen Ausstellung Bao House rund um Riesenpandas wohl nur noch für interne Events und als Lagerfläche.
Die 2012 eröffnete Sky Cruise gegenüber verbindet die Themenbereiche American Adventure und European Adventure.
Damit erspart die 255 Meter lange Doppelmayr-Gondelbahn den Besuchern das fußläufige Überwinden von 33 Höhenmetern.
Der europäische Themenbereich im Tal besteht zum größten Teil aus Gärten.
Nämlich dem Four Seasons Garden hier im Bild und rechts außerhalb des Bildes daran anschließend der Rose Garden. Ersterer wird flankiert vom Holland Village, einem großen Outdoor-Restaurant, dessen Sitzplätze sich vor den Fassaden im niederländischen Stil erstrecken. Rechts dahinter ist im bewaldeten Berghang auch ein kleiner Teil des Cabin Hostels zu sehen, welches neben dem Holland Village offenbar auch einen eigenen Parkeingang besitzt. Diesen ganzen Bereich habe ich mangels Zeit allerdings leider nicht besucht.
Stattdessen ging es für uns vorbei am linkerhand anschließenden Grand Stage Theater.
Von 2020 bis 2024 begaben sich dort die Parkmaskottchen Lenny und Lara in einer halbstündigen Musical-Show auf die Suche nach dem Drachenschloss, um dort den magischen Zauberstab des Lichts zu suchen und damit die dunklen Mächte zu besiegen, die ihr Dorf bedrohen. Aber auch für Shows fehlte uns am Ende des Tages die Zeit.
Noch eine Ebene tiefer liegt der Carnival Square mit einer kleinen Bühne und seitlicher Tribüne für die hier endende Parade.
Natürlich schauten wir sicherheitshalber nach, ob man sich nicht doch einfach normal bei T Express anstellen könnte.
Leider war es tatsächlich so, dass man nur mit gültigem Smart-Queue-Slot eingelassen wurde.
Und diese magische Zeit war für uns eben noch nicht gekommen.
Wir suchten daher nach einer Überbrückungsmöglichkeit und wurden im angrenzenden Themenbereich Zoo Topia fündig.
Der hat freilich nichts mit den Zoomania-Filmen (die im Original eben Zootopia heißen) von Disney zu tun. Stattdessen ist der Name Programm, hierbei handelt es sich um den Zoo des Everlands. Hauptattraktion des Themenbereichs ist die Safari World, bei der man in kleinen Trams unter anderem durch Tiger- und Löwengehe gefahren wird. Die war aber ebenfalls nur mit Smart Queue zu fahren und entging uns leider. Auch den Rest des Zoos haben wir nicht besucht, da gleich neben der Safari World der Zugang zum Rapid River Amazon Express liegt. Und dort konnte man sich tatsächlich ganz analog anstellen - bei angezeigten 40 Minuten, was leider auch ungefähr hinkam.
Interessant fand ich die Boote, die aus fünf einzelnen Segmenten für je 2 Personen bestehen.
Die erinnerten mich sehr an jene der beiden Vekoma-Raftings im Walibi Holland und Bellewaerde. In einer koreanischen Quelle wird (vermutlich deswegen) auch Vekoma als Hersteller der Boote (und Arrow für den Kanal) angegeben, aber tatsächlich handelt es sich um eine der ersten Rafting-Anlagen von Hafema. Deren Erstlingswerk in der ehemaligen Space World in Japan war 1992 mit identischen Booten eröffnet worden, Amazon Express im Everland folgte 1994. Leider sind die Hafema-Boote deutlich enger als jene von Vekoma, insbesondere im Fußraum. Irgendwie konnten Christophe und ich unsere Füße aber arrangieren, die beiden anderen hatten jeweils ein Segment für sich. Lustig fand ich auch die integrierten Regenponchos, die seitlich per Klettverschluß befestigt werden. Durch den Größenunterschied zwischen Christophe und mir lag der Poncho bei mir allerdings nicht auf, sondern es blieb eine etwa handbreite Lücke. Das war aber auch nicht weiter tragisch, da die Wellen das Boot durch die Segmentierung zwar ordentlich durchschaukelten, aber ansonsten doch eher harmlos waren. Also bis auf die eine, die von hinten natürlich genau über unser Segment schwappte und mich dank der Lücke komplett durchnässte.
Christophe konnte anschließend bereits zu T Express gehen, um seinen Smart-Queue-Slot wahrzunehmen.
Wir drei anderen mussten noch etwas länger warten und suchten daher noch das 4D-Kino auf.
Obwohl die Filme seit der Eröffnung 1999 schon mehrfach wechselten und längst keinen Weltraum-Bezug mehr haben, heißt das Kino nach wie vor Space Tour und sieht auch entsprechend aus. Etwa eine Filmlaufzeit hatten wir wohl warten müssen, dann kamen wir auch schon dran. Seit 2017 läuft hier Happy Family 4D von Mack Animation - also 1:1 der gleiche Film wie er auch im Europa-Park lief, inklusive Wodan im Hintergrund (hätte man da nicht wenigstens das Schild nachträglich als T Express animieren können?). Nur eben auf koreanisch. Ich weiß jetzt gar nicht, ob ich die originale Version mal gesehen hatte, finde Happy Family aber grundsätzlich gut, auch in der 4D-Variante. Ich hasse es allerdings, wenn man bei einem 3D-Film immer wieder zwischen Ego- und Verfolger-Perspektive wechselt. Auch die fetten Bügel, welche je eine komplette Sitzreihe der Motion Seats sichern, trübten das Gesamterlebnis etwas. Am Nachmittag wechselte der Film übrigens zu Return to the Lost World, diesen Film hat Everland seit 2021 im Angebot.
Danach konnten auch wir endlich mit unserer Smart Queue zu T Express gehen.
Rund um den Eingangsbereich der 2008 eröffneten Holzachterbahn erstreckt sich ein schweizer Bergdorf mit Gastronomie und Shops.
Im Herbst wird aus dem Alpine Village für Halloween allerdings die dystopische Blood City.
Inklusive Horror Maze.
2022 stand dabei der Express 199 im Mittelpunkt der Storyline.
Demnach bildete das Alpine Village in diesem Jahr einen düsteren Bahnhof einer von Zombies überlaufenen Stadt. Um sich vor den Untoten in Sicherheit zu bringen, mussten die Besucher den Express 199 nehmen - also letztlich eben die Achterbahn T Express. Bei unserem Besuch 2023 hatte man zwar auch wieder die Lok des Express 199 aufgebaut, in der Storyline des Bereichs war der Zug aber eher in den Hintergrund gerückt.
Das Ganze wäre aber eh erst Abends zum Tragen gekommen. Tagsüber stellte T Express wie sonst auch eine rasante Zugfahrt ohne Horror dar.
Entsprechend beginnt der Wartebereich am Ticketschalter des Bahnhofs Grindelwald.
Und nein, der Name hat nichts mit Harry Potter zu tun. Grindelwald (vom althochdeutschen grintil für Riegel oder Sperre und eben Wald) liegt im Berner Oberland in einem Talkessel am Fuße des berühmten Dreigestirns der schweizer Alpen - Eiger, Mönch und Jungfrau. Das weitläufige Gemeindegebiet erstreckt sich über 171km² mit Höhenlagen zwischen etwa 720 Metern bis hin zum Gipfel des Mönchs auf über 4.100 Metern und umfasst auch die weltbekannte Eiger-Nordwand. Der Bahnhof Grindelwald (der optisch übrigens nichts mit der vermeintlichen Nachbildung im Everland gemein hat) liegt auf einer Höhe von 1.034 Metern und ist die Endstation von Wengernalpbahn und Berner Oberland-Bahn. Letztere führt - wie korrekt auf dem Schild aufgeführt - über Zweilütschinen und Wilderswil nach Interlaken Ost. Für die Weiterfahrt nach Brienz und Meiringen ist in der Realität dort allerdings ein Umstieg erforderlich. Das T im Namen der Achterbahn kommt übrigens vom Sponsor der Bahn, T world - die Kundenservice und Vertriebsplattform von SK Telecom, dem größten Telekommunikationsunternehmen Südkoreas.
Der weitere Wartebereich schlängelt sich unter dem Hauptteil der Achterbahn entlang.
Hätte ich gewusst, dass das Everland so nah an Interlaken liegt, wäre ich längst schonmal dort gewesen.
Übrigens vermochte ich vor Ort nicht einzuschätzen, ob die Schilder echt oder nachgemacht waren. Aufgrund des akkuraten Deutschs - in anderen ausländischen Parks hat man ja schon die wildesten Entgleisungen gesehen - war ich mir eigentlich sicher, dass es sich um originale Schilder handeln müsste, aber das J bei Jsolatoren ließ mich dann doch wieder zweifeln. Allerdings steht das tatsächlich exakt so auch auf den älteren Schildern der SBB, das wird also in der Tat ein solches Originalschild sein.
Aha! Achterbahnfahren ist Sport! Sonst müsste man sich ja nicht mit Dehnübungen vorher aufwärmen, oder? *sich gleich viel fitter fühl*
Trotz Smart Queue dauerte es noch fast 20 Minuten, bis wir endlich die Station erreichten.
Daniel sicherte sich die letzte Reihe des sechsteiligen Zuges, Christian und ich nahmen die vorletzte. Bei den Ablagefächern auf der Ausstiegsseite steht übrigens für jede Reihe jedes Zuges ein eigenes Fach zur Verfügung, inklusive Beschriftung. Und es wurde auch tatsächlich darauf geachtet, dass jeder das richtige Fach nutzte. Christian hatte seine Tasche in eines der benachbarten Fächer gelegt (weil dort einfach mehr Platz war als in "unserem" Fach mit meinem Rucksack), wurde aber aufgefordert, sie ins korrekte Fach umzuräumen. Damit er nicht noch ein zweites Mal über mich drüber klettern und die Abfertigung weiter verzögern musste, wechselte ich derweil auf die linke Seite des Zuges. Haben alle Fahrgäste Platz genommen, werden zunächst die Gurte geschlossen und geprüft. Beim zweiten Durchgang werden dann die Taschen der im Zug sitzenden Besucher mit tragbaren Metalldetektoren nach eventuell vergessenen, losen Gegenständen abgesucht, ehe die eigentlichen Schoßbügel geschlossen und gecheckt werden.
Und dann geht es mit einem leichten Linksknick aus der Station heraus über die Weiche zum Abstellgleis zum riesigen Lifthill.
Stolze 56 Meter ragt dieser in den südkoreanischen Himmel, wobei die Stützen dank des ansteigenden Geländes etwas kürzer ausfallen konnten.
T Express war nach Colossos, Balder und El Toro die vierte und letzte Holzachterbahn mit den vorgefertigten Schienen von Intamin.
Und eben auch die Größte. Sie war zur Eröffnung nicht nur die höchste, schnellste und längste Achterbahn Südkoreas, seit dem Abriss von Son of Beast belegt sie auch den Spitzenplatz, was die höchsten Holzachterbahnen der Welt angeht - zusammen mit Wildfire in Kolmården. Der 77° steile First Drop war zur Eröffnung ebenfalls Weltrekord bei Holzachterbahnen, wurde inzwischen aber von Outlaw Run, Wildfire und Goliath übertrumpft. Dafür konnte T Express mit einer Länge von 1.641 Metern auf Platz drei unter den Holzachterbahnen hinter The Beast und The Voyage aufrücken. Kommt dem Lifthill das Terrain noch zu Gute, ist es dem First Drop bereits nach 46 Metern im Weg - trotz geringerer Gesamthöhe besitzt Colossos also sogar die längere Abfahrt und hat damit auch bei der Höchstgeschwindigkeit die Nase vorne. Das fällt aber nicht zuletzt dank des Settings eigentlich niemandem auf. Ganz im Gegensatz zur plötzlichen Airtime, die irgendwo in der Mitte des Drops auftrat - eben dort, wo kurzzeitig die 77° erreicht werden.
Es folgt ein riesiger Airtimehügel, der in eine fast 90° geneigte Rechtskurve übergeht. Nach 225° erfolgt ein Umschwung in eine Linkskurve,
welche die Auffahrt des Airtimehügels unter- und das Tal des First Drops überquert, ehe sie ansteigt und in eine Blockbremse mündet.
Erinnern die beiden High-Speed-Kurven noch an El Toro, besteht der zweite Teil des Layouts im Grunde aus einer Kopie von Balder.
Hier halt mit geradem First Drop aus der Blockbremse heraus.
Also jeweils 1-2 kleinere Airtimehügel, bzw. Bunny Hops, gefolgt von einer Wendekurve.
Und dann direkt untendrunter nochmal das Gleiche.
Die abrupte Airtime im dichten Gebälk hat mich schon bei Balder begeistert, hier kam sie mir noch intensiver vor.
Bei T Express gefielen mir auch die Wendekurven besser, weil wohl das Tempo etwas höher (und der Zug einen Wagen länger) ist als beim Original.
Anstelle der Schlussbremse von Balder geht es bei T Express nochmal mit einer letzten Linkskurve aus dem Stützengewirr heraus und über die Zufahrt zum Lifthill hinweg zur hiesigen Schlussbremse. Man kann also sagen, dass T Express die besten Elemente der drei Vorgänger kombiniert (wobei ein zweiter großer Airtimehügel noch die Kirsche auf dem Sahnetörtchen gewesen wäre), womit sich die Bahn bei mir ganz klar an die Spitze der Intamin-Prefabs setzt. Sahen die Liechtensteiner wohl ähnlich, sodass nach dem Meisterwerk keine weitere dieser Anlagen mehr gebaut wurde. Gut, das mag auch daran gelegen haben, dass wenig später der Siegeszug von RMC startete. Außerdem zeigten sich inzwischen die Nachteile der Prefab-Technologie, bei der es im Gegensatz zu klassischen Holzachterbahnen nicht möglich ist, einfach die obersten Bretter der Schienen zu erneuern. So musste Colossos als Prototyp 2016 mitten in der Saison plötzlich aufgrund von Schäden an den Schienen geschlossen werden. Die Zukunft der Bahn stand lange auf der Kippe, bis man sich schließlich für ein millionenschweres Retracking-Projekt entschied, bei dem die gesamte Strecke mit neuen Prefab-Schienen ausgestattet wurde. Auch bei Balder wurde ein Großteil der Schienen 2022 erneuert, bei El Toro erfolgt der Austausch über die nächsten Jahre schrittweise. Im Everland entschied man sich allerdings gegen neue Intamin-Schienen. Stattdessen wurde der Teil vom First Drop bis zur Blockbremse über den Winter 2023/ 2024 von RMC mit dem 208 ReTraK ausgestattet. Während wir also noch den originalen T Express fahren konnten,
erlebten die Teilnehmer der zweiten Tour im Mai 2024 bereits die erneuerte Version T Express - The Iron Rebirth.
Anschließend sicherten wir uns direkt - diesmal alle Vier gemeinsam - einen Slot für die nächste Achterbahn.
Dann statteten wir Lenny's Magic School gleich neben dem 4D-Kino einen Besuch ab. Dort hatten wir Walk-On.
Die magische Schule wurde 2006 zwischen das 4D-Kino und einen Darkride gesetzt. Damals allerdings noch unter dem Namen Gargoyles' Magic Battle. Ursprünglich ging es darum, dass zwei mächtige Magier - konserviert in Wasserspeiern - ihren jahrhundertealten Zwist in unser Zeitalter verlagern. Während sie sich gegenseitig bekämpfen, wirbeln sie die Besucher der mittelalterlichen Zauberer-Akademie herum, denn Hauptbestandteil der Attraktion ist ein Madhouse von Mack. Leider kam es Anfang 2007 nach nur wenigen Monaten Betrieb zu einem tragischen Zwischenfall. Eine Besucherin wollte - wohl auch aufgrund der düsteren Atmosphäre - unmittelbar vor dem Schließen der Sicherungsbügel doch kneifen und stieg auf. Die Mitarbeiter hatten das aber offenbar übersehen und starteten die Fahrt, woraufhin die Frau wohl zwischen die Schaukel und die äußere Trommel geriet und eingeklemmt wurde. Sie erlag noch vor Ort ihren Verletzungen. In der Folge wurde die düstere Atmosphäre angepasst, um die Fahrt familienfreundlicher zu machen, und der Name wurde schlicht in Rotating House geändert. 2019 erfolgte schließlich die Umgestaltung zur Magic School. Die Grundthematik einer Zauberschule blieb erhalten, wurde aber durch den Einsatz bunter Projektionen noch freundlicher gestaltet. Der eigentliche Clou der Umgestaltung verbirgt sich aber in den Sitzbänken des Madhouses. Dort sind nun nämlich Zauberstäbe an den Seiten verstaut. Die den Sitzbänken gegenüberliegenden Wände der Trommel dienen derweil als Leinwand. Lenny's Magic School ist also ein interaktives Shooting-Madhouse. Fand ich sehr cool, zumal ich trotz der Menge an Mitspielern meinen Zielpunkt gut verfolgen und entsprechend ordentlich punkten konnte. Insgesamt konnte ich den 3. Platz dieser Spielrunde erzielen. Natürlich hatte ich auch mal versucht, die Figuren an der Wand hinter mir abzuschießen, aber das ist natürlich nicht vorgesehen und funktionierte demnach nicht. Entsprechend halten sich die Bewegungen auch in Grenzen, man schaukelt nur minimal. Einen kompletten "Überschlag" der Trommel gibt es nicht, das gibt die recht simple Shooting-Technik hier offenbar nicht her. Die Idee eines interaktiven Madhouses fand ich aber wie gesagt genial. Es würde mich freuen, wenn dieses Konzept aufgegriffen und mit einer richtigen Madhouse-Fahrt auf die Spitze getrieben würde.
Den erwähnten Darkride als dritte Attraktion im Bunde hoben wir uns für später auf. Der Sky Way gleich daneben war leider geschlossen.
Der Doppelmayr-Sessellift wurde bereits 1988 eröffnet und überwindet rund 32 Höhenmeter bei einer Fahrtlänge von etwas unter 200 Metern.
Dabei verläuft die Sky Way fast im rechten Winkel zur modernen Sky Cruise und böte damit bei der Talfahrt einen tollen Blick auf T Express.
Die als amerikanische Tankstelle gestaltete Bergstation liegt ein Stück unterhalb der Sky Cruise, gegenüber der Looping-Achterbahn Rolling X-Train.
Aber dazu gleich mehr, wir mussten den Berg ja zu Fuß erklimmen.
Es gibt übrigens noch eine dritte Seilbahn im Everland, ebenfalls ein 1988 eröffneter Sessellift von Doppelmayr. Allerdings ein 2er-Sessellift, Sky Way ist ein 4er-Sessellift. Die unscheinbare Bergstation von Human Sky, wie die Anlage heißt, befindet sich quasi direkt neben jener von Sky Cruise (trotzdem hatte ich sie vor Ort tatsächlich nicht gesehen). Von dort führt die Strecke über rund 160 Meter zur etwa 26 Meter tiefer gelegenen Talstation im Themenbereich Zoo Topia.
Das Spooky Fun House befindet sich hier nicht am Ende der Seilbahn, sondern nach einer ersten Treppenanlage im Berghang daneben.
Es handelt sich um eine der wenigen Attraktionen aus dem Gründungsjahr des Parks. Damals hieß der Walkthrough noch Magic House, nach mehreren Updates erfolgte 2003 die Umgestaltung zum Spooky Fun House rund um den knuffigen Geist Spooky. Ein klassisches FunHouse darf man hier aber nicht erwarten, vielmehr geht man einfach durch einige Gänge mit ein paar Knopfdrücker-Elementen. Hier rülpst eines der Geister-Gemälde, der nächste furzt, dort hockt ein Geist auf dem Klo und man hört die Spülung und an anderer Stelle wird geräuschvoll geknutscht. Alles sehr simpel und größtenteils auch schon ziemlich abgegriffen, aber für mal zwischendurch doch irgendwie auch ganz witzig. Im finalen Raum kann man sich dann noch an einer Bodenklaviatur mit Orgeltönen und einigen Percussion-Buzzer-Pads austoben - also wenn einen die Kids ranlassen.
Den Jet Coaster im Hang hinter dem Spooky Fun House, der ebenfalls zusammen mit dem Park 1976 eröffnet worden war, hat man leider 2004 abgerissen. Aber auf dem Vorplatz - der übrigens zum fünften und letzten Themenbereich Magic Land gehört - stehen noch zwei Kinder-Fahrgeschäfte. Auf der einen Seite ein 1990 eröffneter, kleiner Pressluftflieger, auf der anderen Seite der 1987 eröffnete Dragon Coaster. Der Wartebereich des Zamperla Powered Coasters war auch komplett leer, trotzdem durften wir nicht fahren. Denn auch hier hätte man sich einen Slot über Smart Queue buchen müssen - und den nächsten hätten wir (vor dem Buchen einer richtigen Achterbahn mit kürzerer Wartezeit) erst in 65 Minuten bekommen...
Also wanderten wir weiter den Berg hinauf, bis zum Bereich der Bergstation des Sessellifts.
Dieser Teilbereich von American Adventure widmet sich als Rock Ville ganz dem Rock'n'Roll der 50er und 60er Jahre.
Der Mondial Top Scan ersetzte 2008 einen Huss Ranger, die Erstauslieferung des Suspended Top Spins von Huss wirbelt seit 2003 die Besucher herum.
Da wir bis zum Slot für die gegenüberliegende Achterbahn noch etwas Zeit hatten, nahmen wir den Double Rock Spin noch eben mit.
Bei der gerade abgefertigten Fahrt war kein Platz mehr für uns, aber für die nächste standen wir nun ganz vorne.
Das Fahrprogramm fand ich sogar recht gut. Relativ zu Beginn werden schon vier Überschläge absolviert, dann folgen zwei flotte Runden mit arretierter Gondelbremse (wo man entsprechend überkopf durch die "Station" rauscht). Und zum Finale gibt es noch drei weitere Überschläge - also eigentlich hätten es wohl wieder vier werden sollen, aber der letzte klappte bei unserer Fahrt leider nicht ganz.
Für unseren Slot beim Rolling X-Train hätten wir eigentlich noch weitere 8 Minuten warten müssen. Aber man ließ uns trotzdem ein.
Da die Bahn nur mit einem Zug betrieben wurde, dauerte es eh noch rund 15 Minuten, bis wir in diesem Platz nehmen konnten. Und zwar in den Reihen vier und fünf. Eröffnet wurde der Arrow-Coaster anlässlich der Olympischen Sommerspiele in Seoul 1988 als Double Loop and Cork Screw. 2004 erfolgte dann im Zuge der Umgestaltung des umliegenden Bereichs zum Rock Ville die Namensänderung zum heutigen Rolling X-Train. Dabei wurden auch die originalen Arrow-Züge durch neue Vekoma-Züge mit offenen Seiten ersetzt.
Die Umlackierung der Strecke in Weiß statt dem vorherigen Pink im Jahr 2010 war dagegen keine so gute Idee.
Nach einem Mini-Dip aus der Station, einer kurzen Geraden und einer Wendekurve geht es den 30 Meter hohen Lifthill hinauf.
In einer engen Linkskurve nimmt der Zug Fahrt auf, ehe er sich mit dem First Drop in zwei aufeinanderfolgende Loopings stürzt.
Der erste wirkte im Vergleich zum rostigen Rest der Strecke ziemlich frisch lackiert.
Es folgt die Wende rechtsherum, die ganz klassisch in den doppelten Korkenzieher übergeht.
Gemäß meiner Notizen waren die Fahreigenschaften leider nicht besonders.
Eine abschließende Helix entlässt den Zug schließlich nach fast 700 Streckenmetern in die Schlussbremse. Für uns ging es anschließend wieder bergab, denn während der Wartezeit hatten wir selbstverständlich schon wieder den nächsten Smart-Queue-Slot gebucht. Da war allerdings schon nur noch eine einzige Bahn verfügbar, alle anderen (oder zumindest die für uns relevanten?) waren schon ausgebucht.
So hatten wir uns mit 20-minütiger Wartezeit doch noch den Dragon Coaster gesichert.
Also ging es nach der X-Train-Fahrt direkt dorthin und nach einer Fahrt abwarten konnten wir zusammen mit anderen Tourteilnehmern unsere Runde(n) drehen.
Powered Coaster ist für diese Bahn aber fast schon zu hoch gegriffen. So langsam wie sch der Zug die sanften Steigungen hinauf quälte, fehlt es ihm definitiv an Power - und das wird nicht (nur) an der FKF-Besatzung gelegen haben. Nun waren wie gesagt keine weiteren Smart-Queue-Slots mehr verfügbar. Das lag aber glücklicherweise auch daran, dass die Smart Queue in der Regel nur bis 14 Uhr zum Einsatz kommt. Ab dann kann man sich überall wieder ganz normal anstellen. Und inzwischen war es schon fast 13:30 Uhr.
Zwischen Dragon Coaster und Rock Ville führt ein Weg im Hang (dort wo einst der Jet Coaster stand) zum Rest des Magic Lands.
Vorbei am Indoor-Spielplatz Kids Village und am 1982 eröffneten Riesenrad.
Leider kann man die Aussicht aus 54 Metern Höhe schon seit 2010 nicht mehr genießen.
Damals wurde das Rad nach 111.207 Betriebsstunden mit 635.470 Fahrten stillgelegt.
Gemäß der offensichtlich nicht mehr ganz taufrischen Verabschiedungstafel soll(te) dieses Wahrzeichen des Parks abgebaut werden und es wird ein hochwertiges, fortschrittliches Modell als Ersatz versprochen. Aber wie man sieht, stand das Riesenrad auch 13 Jahre nach der Stilllegung noch immer. Stattdessen konnte man sich 2016 wohl mit VR-Brillen in die dort aufgestellte Gondel setzen, um die Fahrt in virtueller Form zu erleben. Das wurde aber 2018 auch schon wieder eingestellt.
Dank eines Netzes mit zahlreichen LED-Spots dient die Landmarke immerhin noch als riesiger Bildschirm für die Abendshows des Parks.
Dank der Hanglage hat man tatsächlich auch so einen ganz guten Überblick über die vorwiegend an Kinder gerichteten Attraktionen des Magic Lands.
Und ganz da hinten ist auch nochmal das Cabin Hostel zu erkennen. Diesen tiefer gelegenen Bereich haben wir auch wieder ausgelassen.
Unser Ziel war die Neuheit des Jahres 2015, die Super Flume Thunder Falls.
Tatsächlich konnten wir uns bereits ganz normal anstellen, obwohl die Smart Queue eigentlich noch fast eine halbe Stunde aktiv war.
Nach 10-15 Minuten (angezeigt waren 20) saßen wir dann bereits in einem der Boote.
Vor Ort erinnerte mich Thunder Falls tatsächlich sehr an Chiapas, abgesehen eben von den Booten, bei denen man deutlich bequemer jeweils zu zweit in vier Reihen sitzt. Hersteller ist demnach nicht Intamin, sondern Hopkins - bzw. der Rutschenhersteller WhiteWater West, der Hopkins bereits 2012 übernommen, den traditionsreichen Namen zunächst aber noch erhalten hatte, ehe die Fahrgeschäfte in das eigene Portfolio integriert wurden. Von 1981 bis 2014 befand sich anstelle von Thunder Falls eine klassische Wildwasserbahn. Abgesehen von der neuen Panda World 2016 und einiger Erneuerungen und Umgestaltungen war Thunder Falls bislang die letzte neue Großattraktion im Everland. Eine koreanische Quelle vermutet sogar, dass die Anlage bei einem späteren Baubeginn möglicherweise gecancelt worden und die alte Wildwasserbahn ersatzlos abgerissen worden wäre. So erging es nämlich dem benachbarten Boots-Darkride Global Village aus dem Jahr 1985, der an It's a small World angelehnt war. Der schloss Ende 2015 und sollte zum 40. Geburtstag des Parks komplett erneuert werden. Stattdessen erfolgte der Abriss des runden Gebäudes.
Heute befindet sich an dieser Stelle der arg bunte Music Garden.
Aber zurück zu Thunder Falls, wo wir in den beiden hinteren Reihen platziert wurden. Die Acrylglas-Türchen an den Einstiegen und die kleine Windschutz-, bzw. in diesem Fall eher Spritzschutzscheibe wurden übrigens erst 2016 nachgerüstet. Der Nässegrad mit den offenen Einstiegen war den Koreanern offenbar zu hoch (außerdem wird damit ein Herausstrecken von Armen und Beinen verhindert). Allerdings besitzen diese Türen keine Dichtungen und allzu formschlüssig sind sie auch nicht. So drückte sich gleich nach dem ersten Lifthill beim Eintauchen in den Kanal bereits eine Ladung Wasser durch den Schlitz zwischen Boot und Tür und ergoss sich über mein Bein. Mit ein paar S-Kurven schlängelt sich das Boot am Hang entlang zu einer Drehscheibe, die sich direkt unter dem Beginn des später folgenden großen Drops befindet. Leicht schräg zu diesem verlässt man die Drehscheibe rückwärts und rauscht den ersten, kleineren Drop hinab. Unten erfolgt allerdings keine Wasserung, sondern es geht sofort wieder hinauf. Erst nach einem minimalen Camelback landet man wieder in einem erhöhten Wasserkanal, was laut meiner Notizen zwar nur einen leichten Nebel zur Folge hatte, uns in der hinteren Reihe aber trotzdem komplett durchnässte. Ungeachtet dessen sorgt dieser Drop mit Aufwärtsfahrt übrigens dafür, dass Thunder Falls als Unechte Wasserachterbahn ein Grauzonen-Count ist.
Besonders clever ist dann die unmittelbar anschließende zweite Wende gelöst. Statt einer aufwändigen und fehleranfälligen mechanischen Weiche, nutzt man hier ganz einfach die Hydrodynamik. Das Boot schwimmt also rückwärts in eine Sackgasse hinein, wobei das Heck durch die Form des Kanals bereits auf die Seite des weiterführenden Kanals gelenkt wird. Die Front folgt dann alleine der Strömung des Wassers, die hier eine 180°-Wende vollführt, woraufhin das Boot dann wieder vorwärts weiter treibt. Einmal um den kleinen See herum geht es mit einer Stromschnellen-S-Kurve zum zweiten Lifthill, der das Boot auf eine Höhe von rund 20 Metern bringt. Die dortige Drehscheibe - wie gesagt direkt über der ersten - wendet das Boot einmal fast komplett, sodass man den Hauptdrop weiterhin vorwärts absolviert.
Wie so oft stellte sich dieser größere Drop als harmloser heraus als befürchtet. Zumindest für mich ganz hinten.
Vielleicht auch, weil Christian und Christophe in der Reihe vor mir den Großteil des Splashs schon abgefangen hatten.
Quasi hinter dem Riesenrad und dem Rolling X-Train befand sich einst die riesige Helix des Jet Coasters.
Nach dessen Abriss entstand dort 2005 das Aesop Village.
Das fantasievolle Dorf greift die Fabeln des antiken Dichters Äsop auf.
Im Fall des Demolition Derbys Lily Dance zum Beispiel "Der Frosch und der Ochse".
In der Fabel will ein Frosch zeigen, dass er ebenso groß sein kann wie ein Ochse. Er bläst sich auf, und fragt die anderen Frösche, ob er schon so groß sei, wie der Ochse. Aber die anderen Frösche verneinen dies, also bläst er sich weiter auf. Bis er am Ende platzt. In der Version des Everlands handelt es sich um eine Froschmutter, die sich aus Stolz vor ihren Kindern aufbläht. Entsprechende Figuren (eine aufgeblasene Froschmutter und das auf dem Bild zu sehende, erschrocken dreinblickende Froschkind) sind in der Mitte des Fahrgeschäfts platziert. Außerdem gibt es einen Family Freefall von Preston & Barbieri, welche die Fabel "Der Löwe und das Mäuschen" in leicht abgewandelter Form aufgreift. Statt den Löwen, der sie zuvor gnädigerweise nicht gefressen hatte, aus einem Netz freizuknabbern, rettet die Maus die Großkatze hier mit einer Flugmaschine vom Baum. Ein großer Spielplatz widmet sich der Fabel "Die Stadtmaus und die Landmaus", ich weiß jetzt allerdings nicht, ob er das bescheidene, aber ruhige Zuhause der Landmaus, oder das üppig ausgestattete, aber gefährliche Heim der Stadtmaus darstellt. "Die Ameise und die Heuschrecke" bildet derweil die Grundlage für das Ball House, wo die Kids fleißig Bälle sammeln müssen, um diese mit den diversen Kanonen durch den Spielbereich schießen zu können.
Insgesamt sehr schöne Umsetzung, auch wenn die Einbindung der Fabeln hier und da doch etwas frei interpretiert scheint.
Und die ebenfalls im Aesop Village befindliche Achterbahn nutzt natürlich die wohl bekannteste Fabel von Äsop.
Herky & Timmy's Racing Coaster basiert auf dem Wettrennen aus der Fabel "Die Schildkröte und der Hase".
Es handelt sich um einen Junior Coaster mit Custom-Layout von Vekoma.
Die Höhe des Lifthills ist leider nirgendwo angegeben, die Streckenlänge beträgt 314 Meter.
Laut einer koreanischen Quelle sollen die beiden Züge - einer mit der Schildkröte als Front, der andere eben mit dem Hasen - anfangs tatsächlich unterschiedlich schnell gewesen sein. Wenn das wirklich stimmen sollte, gehe ich aber mal rein vom Tempo des Lifthills aus, denn da es kein Powered Coaster ist, kann die Geschwindigkeit der eigentlichen Fahrt ja nicht großartig variiert werden. Was dagegen unübersehbar verändert wurde, ist die Fahrtrichtung der Züge. Im Winter 2019/ 2020 wurden die Züge umgedreht, sodass der Racing Coaster - der ja eigentlich gar kein Racing Coaster ist - seither rückwärts fährt. Eigentlich hätte das eine auf wenige Monate um den Jahreswechsel befristete Aktion sein sollen, aber die Rückwärtsfahrt kam so gut an, dass sie dauerhaft beibehalten wurde.
An diesem Tag war nur der Schlidkröten-Zug im Einsatz, bei angezeigten 10 Minuten warteten wir knappe 15 Minuten.
Vom den Hang ausnutzenden Lifthill geht es in einer Linkskurve leicht hinab.
Mit einem kleinen Hügel wird der Lifthill überquert, ehe es weiter nach unten geht.
Direkt neben der Station folgt eine wieder höher gelegene Wendekurve rechtsherum.
Mit einer leichten Linkskurve geht es wieder zurück auf die andere Seite des Lifthills.
Dort wird eine vergleichsweise intensive Helix durchfahren, ehe der Zug eine Zwischenbremse passiert.
Eine finale Rechtskurve führt von dort in die quer darunter verlaufende Schlussbremse.
Schönes Bähnchen, auch wenn die Fahrt gerne etwas länger sein dürfte.
Damit waren die fünf Counts des Everlands nun gegen 14:15 Uhr in trockenen Tüchern.
Die Bahn, die ich hier am liebsten gefahren wäre, hat man ja leider 2015 endgültig abgerissen.
Hätte man sich zuvor auf obigem Bild um 180° gedreht, hätten im dortigen Berghang die gelben Schienen von Eagle Fortress zwischen den Bäumen hervorgeblitzt. Der 975 Meter lange Suspended Coaster von Arrow war 1992 eröffnet worden und dürfte ausgehend von Onride-Videos auch einer der besten seines Typs gewesen sein. Leider kann ich das ebenso wie beim Big Bad Wolf nicht mehr selbst austesten, da beide Anlagen 2009 geschlossen wurden. Die Bahn im Everland blieb zumindest noch einige Jahre stehen, bis eben 2015 der Abriss erfolgte. Aus einer bereits 2012 angekündigten Thrill-Attraktion als Ersatz war zwischenzeitlich ein großes Resort-Hotel geworden - welches hier direkt zwischen Freizeitpark und Wasserpark in der Tat optimal gelegen wäre. Aber auch dieses wurde letztlich nicht gebaut. Stattdessen zieht sich nun ein Rundweg über den neu bepflanzten Berg, der 2019 als Sky Garden Trail eröffnet wurde. Offenbar existiert inzwischen aber auch ein Konzept für einen Giga Coaster von RMC an dieser Stelle. Jedenfalls haben findige Fans herausgefunden, dass die Gebäudeumrisse auf den Konzeptbildern für das neue Split-Rex-Modell exakt zum Everland passen. Das dort gezeigte Layout würde allerdings bedeuten, dass Rolling X-Train für eine Wende des neuen Coasters weichen müsste.
Überlebt hat zumindest bislang aber die Riesenschiffschaukel Columbus Adventure.
Die steht im Hang nördlich des Aesop Villages völlig für sich alleine, seit Eagle Fortress daneben verschwunden ist, sodass der Bereich American Adventure das im Tal gelegene Fabeldorf quasi in die Zange nimmt. Den inzwischen leider abgerissenen Prototypen der insgesamt bis zu 240 Personen fassenden Doppelanlage von Huss hatte ich 2018 im japanischen Toshimaen fahren können, ebenso wie die nochmals etwas größeren Jumbo Vikings im Nagashima Spa Land, die aufgrund der damals bevorstehenden Insolvenz von Arrow-Huss jedoch von Intamin gebaut wurden. Nachdem sich Huss wieder rehabilitiert hatte, konnte man 1998 - also 14 Jahre nach dem Prototypen - tatsächlich eine zweite Anlage des Super Pirate an den Mann bringen.
Und natürlich ließ ich es mir nicht nehmen, auch diese zu fahren und damit das Riesenschiffschaukel-Tripel vollzumachen.
Passend zum Thema tragen die beiden 120 Personen fassenden Boote die Namen der Schiffe von Christoph Kolumbus, Santa Maria und Niña.
Bei unserem Besuch war nur die bergseitige Niña mit dem großen, roten Kreuz im Einsatz.
Wie auch bei den anderen Riesenschiffschaukeln fühlte sich die Fahrt eher träge an, dafür war die Stimmung hier super.
Denn die Koreaner wissen offenbar wie man Schiffschaukel fährt: Jedes Mal, wenn die eigene Schiffshälfte den oberen Umkehrpunkt der Schwingung erreicht, werden die Arme jubelnd nach oben gestreckt. Auf der anderen Seite ist dann entsprechend die Besatzung der anderen Schiffshälfte dran. Dieses Prozedere habe ich bei meinen bisherigen Schiffschaukel-Fahrten leider immer wieder vermisst. Umso schöner, dass es hier mal mit großer Begeisterung umgesetzt wurde.
Auf dem Weg zurück Richtung Eingangsbereich kommt man noch am Championship Rodeo vorbei.
Ein überdachter Break Dance von Huss, der 1990 eröffnet wurde.
Gemäß meiner Notizen soll es dann vom Rock Ville per Seilbahn wieder ins Tal gegangen sein.
Meine Bilder deuten dagegen eher darauf hin, dass wir den mit aufgemalten Warnhinweisen versehenen Fußweg nahmen.
In jedem Fall besuchten wir unten angekommen mit Shooting Ghost noch den Darkride neben 4D-Kino und Madhouse.
Nach passieren des Eingangs-Torbogens folgt ein kurzer Outdoor-Wartebereich neben der Seilbahn, ehe es ins eigentliche Gebäude hinein geht.
Dort durchläuft man drei Räume, wobei der zweite offenbar mal als Pre-Show gedacht war.
Als der Darkride 2002 als Mystery Mansion eröffnet wurde, saß dort noch ein Animatronic-Butler. Mit der Umgestaltung zu Shooting Ghost im Jahr 2018 setzte man mehr auf Projektionen, sodass der Animatronic einer Leinwand weichen musste. Der Raum war aber zumindest bei unserem Besuch ganz normaler Teil der Queue, man wurde also nicht gruppenweise eingelassen, um die Pre-Show zu schauen, sondern lief in einem größeren Bogen einfach nur durch. Wenn es also schnell genug voran ging, konnte es durchaus sein, dass man die Pre-Show gar nicht oder nur in Teilen mitbekam.
Ganz im Gegensatz zu den Geistern, die im nächsten Raum gegen die Scheiben knallen. Die wiederholen sich eindeutig zu oft.
Leider ist das Abfotografieren misslungen. Als wir die Station erreichten, erkannte ich auf der Überwachungskamera Kai und mico im Pre-Show-Raum.
Die angezeigten 30 Minuten Wartezeit kamen ungefähr hin. Hersteller des Fahrsystems ist Mack, wobei ursprünglich die gleichen Fahrzeuge wie beim Discovery Club in Hellendoorn zum Einsatz kamen. Also drehende Wagen, bei denen vier Fahrgäste Rücken an Rücken um Kreis angeordnet saßen. Mit der Umgestaltung wechselte man aber zu Wagen, bei denen alle vier Fahrgäste in Fahrtrichtung sitzen, je zwei in zwei Reihen hintereinander. Und während man ansonsten bei interaktiven Darkrides immer öfter vom klassischen Pistolen-Konzept abweicht, zieht man hier mal eben eine fette Maschinenpistole aus dem Halter. Und ich bin mir auch zu 99% sicher, dass der obere Aufsatz sogar beweglich war, man konnte ihn also zurückziehen, so als ob man nachladen würde (was weder bei einer Maschinenpistole, noch bei einem Infrarot-Shooter, der es ja letztlich ist, nötig wäre). Die KI behauptet zwar, das wäre Quatsch und es handele sich um massive Pistolen, bei denen außer dem Abzug keine mechanischen Teile verbaut seien, aber da vertraue ich dann doch meiner Erinnerung und meinen Notizen, die sich dahingehend einig sind.
Aber zurück zur Fahrt. Die grundsätzliche Story blieb von der Umgestaltung weitestgehend verschont. Man besucht ein altes Anwesen, das von Geistern eingenommen wurde und der Butler - in der neuen Version selbst ein Geist - bittet uns, diese zu vertreiben (also abzuknallen, um es ungeschönt auszudrücken). Während das Original von Heimotion mit plastischen Szenen ausgestattet wurde, ersetzte man diese 2018 größtenteils durch Leinwände. Es sind aber glücklicherweise nach wie vor einige plastische Elemente erhalten geblieben. Dort Punkte zu machen, gelang mir allerdings nicht so gut. Auf den Leinwänden gestaltete sich das Zielen deutlich einfacher, denn hier wird dauerhaft ein farbiges Fadenkreuz eingeblendet. So konnte ich mit 33.000 Punkten den Sieg in unserem Wagen einfahren. Von den fetten Knarren mal abgesehen ein wirklich putziger Darkride. Schade nur, dass man so sehr auf Leinwände gesetzt hat, auch wenn einige davon immerhin recht gut mit den plastischen Szenen kombiniert wurden.
Anschließend begaben wir uns für eine Wiederholungsfahrt zu T Express. Angezeigt wurde die Wartezeit mit 30 Minuten.
Gerne hätten wir in den vorderen Reihen des Zuges Platz genommen, aber die Mitarbeiter wiesen uns zum Auffüllen die Reihen 5 und 12 zu. Christian und ich nahmen also in Reihe 5 Platz, Daniel und Christophe wollten wieder nach hinten in Reihe 12. Die war zu ihrer Überraschung dann aber doch schon besetzt - wohingegen Reihe 6 direkt hinter uns am Ende leer blieb. So kamen die beiden dann doch noch zur Fahrt in der Front Row im nächsten Zug. Aber auch in der Mitte des Zuges war die Fahrt schon merklich intensiver als morgens in den hinteren Reihen.
Und mit noch einer knappen Stunde bis zur Abfahrt stellten wir uns gleich noch einmal an.
Leider war die Schlange zwischenzeitlich etwas länger geworden. Und obwohl für die hinteren Reihen bereits Fahrgäste für drei Fahrten warteten, gesellten wir uns zu diesen, um den direkten Vergleich mit der morgendlichen Erstfahrt zu bekommen. Und das hat sich absolut gelohnt. Die Bahn war am Morgen schon gut, aber warmgefahren war die Airtime nochmal deutlich stärker, womit sich T Express endgültig als bester der Intamin Prefabs etablierte.
Leider mussten wir uns nach dieser dritten Fahrt sputen, um rechtzeitig zum Bus zu kommen. Da wir am nächsten Tag eine deutlich weitere Fahrt vor uns hatten und entsprechend früh aufbrechen mussten, mussten wir zur Einhaltung der Ruhezeit des Busfahrers leider auch das Everland vorzeitig um 17 Uhr verlassen. Selbstverständlich hätten wir auch später (laut KI sollte der Park an diesem Sonntag sogar bis 22 Uhr geöffnet gewesen sein) auf eigene Faust nach Seoul zurückkehren können. Knappe zwei Kilometer vom Parkeingang entfernt befindet sich auch eine U-Bahn-Station, die wohl mit Shuttle-Bussen angebunden ist. Da wir aber unser Pflicht-Programm erfüllt hatten, erschien uns der Aufwand zu hoch und wir wählten doch lieber die bequemere Option mit dem eigenen Bus direkt vors Hotel. Auch wenn wir dazu möglichst schnell quasi einmal quer durch den Park und den Berg hinauf mussten. Entsprechend atemlos kamen wir mit gerademal fünf Minuten Puffer am Bus an.
Im Hotel sprangen wir einmal fix unter die Dusche, ehe wir kurz vor 19 Uhr zum Abendessen in die Stadt gingen.
Hier übrigens mal ein Bild des im letzten Bericht erwähnten Cheonggyecheon.
Nach kurzer Suche kehrten wir im Restaurant Torigoya Jongo ein.
Ein offenbar recht gut bewertetes japanisches Restaurant. Gleich hinter dem Eingang muss man erstmal durch einen schmalen Gang. Rechterhand hinter der Wand ist vermutlich die Küche, linkerhand säumen kleine Tisch-Nischen den Gang, die mit Noren-Vorhängen versehen sind. Uns führte man aber über das mit Getränkekisten vollgepackte Treppenhaus in die zweite von vier Etagen. Dort sind die Tische offener platziert, insgesamt wirkte aber dennoch alles sehr eng. Man wies uns direkt den ersten Tisch neben der Tür zum Treppenhaus zu. Trotz der Enge empfand ich den Abstand zwischen Sitzbank und Tisch allerdings als etwas zu groß, weshalb ich recht unbequem saß. Eigentlich erfolgt die Bestellung über ein Tablet am Tisch. Da wir uns mit dem rein koreanischen Bestellsystem aber etwas schwer taten, zeigten wir der Kellnerin anhand der Bilder auf dem Tablet, was wir bestellen wollten. Ja, wir hatten es natürlich auch mit dem Google-Übersetzer versucht, aber so ganz sicher waren wir uns bei der Bedienung des Geräts trotzdem nicht. Die persönliche Bestellung war zwar etwas umständlicher, aber klappte letztlich auch. Als Gruß aus der Küche bekamen wir vorab ein Schälchen mit in einer süß-salzigen Sojasoße eingelegten Wachteleiern, sowie marinierte Algenstreifen serviert. Mein eigentliches Abendessen bestand dann aus Schweinefleisch mit Sojaprossen, dazu wurde eine Sojasoße mit Ei gereicht. Alles wirklich sehr lecker und reichhaltig.
Den positiven Bewertungen des Lokals können wir uns also in jedem Fall anschließen.
Für den Nachtisch schauten wir auf dem Rückweg noch bei Baskin-Robbins vorbei, dann ging es zurück zum Hotel. Die abendliche Plauderrunde fiel dort etwas kürzer aus, gegen 22:15 Uhr begaben wir uns auf unsere Zimmer. Schließlich sollte dies bereits die letzte Nacht in Seoul sein, sodass wir wieder unsere Koffer packen mussten.
Fazit: Das Everland ist der größte und wohl bekannteste Freizeitpark Südkoreas. Und mit T Express findet sich hier nicht nur eine der besten Achterbahnen des Landes, sondern auch eine der größten Holzachterbahnen der Welt. Leider scheint der Park in den letzten Jahren ziemlich zu stagnieren, die letzte große Neuheit war Thunder Falls 2015. Und damit wären dann auch schon die absoluten Highlights des Parks genannt. Die übrigen Attraktionen sind größtenteils zwar auch nicht schlecht, würden mich aber nicht unbedingt zu einem Wiederholungsbesuch animieren. Ich hoffe, dass man baldmöglichst wieder in neue Top-Attraktionen investiert, denn das weitläufige Parkareal bietet noch reichlich Potential. Die nervige Smart Queue am Morgen könnte man wegen meiner auch gerne abschaffen, aber wenigstens kann man sich ja nachmittags wieder ganz normal anstellen. So blieb zwar am Ende keine Zeit mehr für den Teil mit den Gärten und die Safari World haben wir nahezu komplett übersehen, aber bei akzeptabler Fülle haben wir zumindest alle für uns wichtigen Attraktionen geschafft. Auch wenn wir dank des bergigen Geländes am Ende ziemlich außer Atem waren.
P.S.: Seit April 2026 heißt T Express übrigens Monimo RUSH, wobei Monimo eine App für Finanzdienstleistungen von Samsung ist. Aber man soll ja nicht gleich merken, wie verspätet der Bericht rauskam...
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