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Freizeitland Geiselwind in Deutschland
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Lesezeit: Fahrtwind in Geiselwind
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crazyx
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Onrider Robin
Dortmund
Deutschland . NW
 
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Link zum Beitrag #845566 Verfasst am Sonntag, 07. August 2011 01:48
Themenersteller
Relax
Es gibt Ecken in Deutschland, da wollte man eigentlich noch nie hin...
Das liegt manchmal gar nicht an den Ecken - die können sogar recht schön sein. Aber trotz einer gewissen Vorbildung und permanenter beruflicher Rumgurkerei in diesem Staate hätte ich Nürnberg (das mir namentlich ja doch bekannt war) nicht mal auf einer Karte einzeichnen können.
Auf einmal muss man dann plötzlich 2 Wochen in der Gegend arbeiten - und nutzt seinen freien Tag natürlich (ist doch natürlich, oder?) zu einem Besuch im bisher nie eingeplanten Freizeit-Land Geiselwind.

Trotz recht sonnigen Sommerferien-Samstags war es heute recht angenehm gefüllt; es war überall was los, aber nirgends Wartezeiten über 10 Minuten.

Allgemeines:
Vom kostenfreien Parkplatz geht's zum Eingang - und von Anfang an hat man einen treffenden optischen Eindruck vom Park. Auf nicht zu kleiner, aber nicht allzu ausladender Fläche ist das Areal mit Attraktionen dicht bepflastert. Diese Attraktionen decken eigentlich fast perfekt nahezu das komplette Spektrum ab - für jedes Alter und jeden Adrenalin-Typus gibt's eine ordentliche Auswahl. Dabei haben die Rides eines gemein: so ungefähr alle sehen so aus, als wären sie nach jahrelangem Kirmes-Einsatz günstig gebraucht gekauft und seitdem auch nicht mehr gestrichen worden. Immerhin wurden sie nicht einfach auf's Gelände gestellt, sondern fast alle thematisiert - im Allgemeinen durch mehr oder weniger liebevoll bemalte Sperrholz-Wände Schriftzüge aus einlaminierten DIN-A4-Buchstaben und einfach mal ein paar Leinen mit Freizeit-Land-Wimpeln. Zwischendrin stehen als Theming halb verottete Schrottautos und rostige 70er-Jahre-Ufos.

Bevor jetzt ein falscher Eindruck entsteht - irgendwie hat das Ganze sogar einen gewissen Charme. Es ist zwar billig und teilweise echt ziemlich verkommen, aber zumindest irgendwie einheitlich - und teilweise sogar mal ganz nett, die Station der Wildwasserbahn ist zum Beispiel regelrecht gelungen.
Desweiteren leistet die Gärtnerei des Parks ziemlich ordentliche Arbeit - es gibt viele Pflanzen, oft auch als Deko, viel Schatten, alles ist sehr gepflegt. Insgesamt ist die Infrastruktur vorbildlich: es gibt Sitzgelegenheiten (auch überdachte) in Hülle und Fülle, Toiletten immer in Rufweite (wie die von innen aussehen weiß ich allerdings nicht), saubere Wege mit vorbildlicher Beschilderung, genügend und abwechslungsreiche Verpflegung... - dazu später mehr.

Es gibt auch noch einen wohl recht umfangreichen Tierpark um den Kirmes-Bereich herum, von dem ich allerdings aus Zeitgründen bis auf ein paar Volieren am Anfang nicht viel gesehen habe.

Die Achterbahnen:

Ganze 4 Counts bietet das Freizeit-Land - davon zwar kein einziges wirkliches Highlight, aber auch keine komplette Gurke:

- Die Wilde Maus ist neu in diesem Jahr und eine gebrauchte Standard-Kirmes-Anlage. Inklusive der schönen Headchopper-Effekte am Gestänge und der weniger schönen etwas arg starken Blockbremsen. Leider bisher quasi komplett ohne Gestaltung - das Materiallager im Innenbereich der Bahn war kein wirkliches optisches Highlight. Ansonsten - naja, eine Wilde Maus halt.

- Blauer Enzian ist ein Mack Powered Coaster - über 20 Jahre alt, fährt aber super und ist dank schön bewachsenen Bodens und Springbrunnen-Deko in den Helizes eine echte Freude.

- Die Drehgondelbahn trägt ihren Namen zurecht, ihren Zusatz "Dunkelachterbahn" nur so bedingt: auf der nicht sehr hohen und eh recht kurzen Strecke, die nebenbei quasi nur aus ein paar Rechtskurven besteht, gibt es einen ein paar Meter langen Tunnel mit ein paar nachtleuchtenden Papp-Spinnen drin. ABER: die Gondeln drehen sich. Und zumindest in meinem Fall, bei einseitiger 100-Kilo-Beladung, tun sie das weltmeisterlich... Immerhin: mal ein ungewöhnlicher Bahntyp und damit auf jeden Fall eine nette Abwechslung!

- Eine Handvoll Fahrten auf Boomerang (einem, wie der Name andeutet, Vekoma-Boomerang mit ganz guten Fahreigenschaften) sollten eigentlich meinen Tag beschließen - da es aber leicht zu regnen anfing und aufgrund sinkender Gästezahlen nur noch alle 5 Minuten ein Zug losgeschickt wurde, entschloss ich, es Benji Le Fakir gleichzutun und meinen Versuch vor Erreichen der geplanten Fahrtenzahl abzubrechen...

Die Shows:
- Das Elfen-Schloss und die T-Rex-Welt werden zwar als Shows angepriesen, sind aber lapidare Walktroughs - im Falle der Elfen ein einziger läppischer Raum mit ein paar Wackelpuppen in einer Handvoll Schaukästen, im Falle der Dinosaurier ein recht liebevoll gestaltetes Dingen mit lebensgroßen beweglichen Dino-Modellen und hübscher Deko. Um die Dino-Halle stehen übrigens auch noch massig Dinos draußen - die allerdings unbeweglich und aus etwas schlichtem Plastik. Aber die in der Halle sind echt ok.

- Nicht im Show-Plan steht das 4D-Kino, in dem 2 freistehende Simulator-Gondeln für je 24 Personen (ein mir bisher unbekanntes System) vor einer Leinwand herumwackeln. Der Film "Skate Race" ist ok, der 3D-Effekt ist nicht zu wild, aber effektiv eingesetzt. Die Fahrt ist ordentlich programmiert; auch aufgrund der gut eingesetzten 4D-Effekte ein echtes Highlight. Tipp: Brillenputztücher mitnehmen; die 3D-Brillen werden erkennbar NICHT vor jeder Ausleihe gereinigt...

- Die Acapulco-Diving-Show hat einen guten Eindruck hinterlassen. Es wurde, trotz obligatorischer Comedy-Sequenz im Mittelteil (hier eine Verfolgungsjagd mit 3 entflohenen Sträflingen und 2 Polizisten), auf allzu viele Albernheiten verzichtet, das Ganze von einem sehr angenehmen Moderator kommentiert und von den Springern souverän umgesetzt. Runde Show - kleiner Schönheitsfehler: die Arena ist so gebaut, dass einen zur Mittagszeit beim Blick auf die Springer volles Rohr die Sonne blendet...

- Die Zirkus-Show war einfach top; in einem geplegten Zelt, mit modernen, hochqualitativen Akrobatik-Nummern und einem wirklich hervorragenden Tierdressur-Clown-Comedy-Duo. Auch wenn ich wahrlich kein Fan von Tieren in der Manege bin: deren Nummern waren derart ausgefallen und so auf den Punkt, dass es eine wahre Freude war. Vollste Empfehlung!

- Zu jeder vollen Stunde spielt im Bayern-Bierzelt die Bären-Band, eine Elektronik-Show. Als eigenständige Show wäre mir vermutlich schon die zünftige Festzelt-Musik dezent auf den Sack gegangen - als Unterhaltung beim Essen ist das aber großartig; schon, weil die Animatronics auf hohem Niveau sind und das Ganze absolut sauber programmiert ist.

- Neben dem Zirkuszelt steht noch ein zweites - darin findet die Chicago-Brothers-Show statt. Wie der Name vermuten lässt, läuft Blues-Brothers-Musik, und dazu gibt's eine technisch sehr gute und choreographisch echt witzige Trampolin-Nummer. Leider ist das nur die zweite Hälfte vom Programm - die erste Hälfte ist aufgesetzter Comedy-Quatsch aus der Restekiste - da musste wohl noch schnell irgendwie Zeit gefüllt werden. Schade! Da die Akteure auch alle noch in der Acapulco- oder in der Zirkus-Show auftreten, gibt's die Chicago Brothers auch nur einmal am Tag.

Insgesamt ein fettes Lob an die Entertainment-Abteilung, die Shows brauchen sich wahrlich nicht zu verstecken und heben das Gesamtniveau des Gebrauchtride-Pars merklich!

Verpflegung:
Respekt! Der kleine Park bietet nicht nur gut verteilte, sondern auch noch abwechlungsreiches, preisgünstiges UND (soweit ich das beurteilen kann) recht hochwertiges Essen!
Das Restaurant direkt am Eingang bietet bis 11 Uhr (oder so) ein Frühstück mit 2 Brötchen, Käse, Salami, Schinken, Marmelade, Butter und Getränk für 3,30 Euro - günstiger gibt's das draußen beim Bäcker auch nicht.
Es gibt zwar natürlich auch den üblichen Fast-Food-Kram, aber zum Beispiel auch einen Salat mit Putenbruststreifen für 6,60 Euro usw.

Ich selber habe mir im Bayern-Festzelt eine Portion Leberkäse mit süßem Senf und Kartoffelsalat gegönnt - der Kartoffelsalat war zwar eine Riesenportion, aber leider eiskalt und aus der industriellen Massenproduktion, der Leberkäse hingegen war phantastisch. Preis: 5,50 Euro, da kann man nicht meckern.

Getränkepreise in der Gastro mit 2,60 Euro für 0,5 Liter Softdrink im normalen Mittelmaß.

Fazit:
Nüchtern betrachtet hinterlässt das Freizeit-Land Geiselwind einen gemischten Eindruck: die Rides sind zwar größtenteils erkennbar gebrauchte Kirmes-Rides, dafür stimmen die Auswahl und die Abwechslung. Auf das Vorhandensein von Theming wird zwar Wert gelegt, selbiges ist aber fast durch die Bank wenig, billig und/oder halb verrottet. Der Souvenir-Shop hat zwar eine große Auswahl an Zeug, ist aber nur ein Kiosk - usw. usf.
Dafür stimmt vom Parken bis zum Essen eigentlich das komplette Drumrum - was ja auch ein wichtiger Faktor ist. Und auch preislich sind die 24 Euro für Erwachsene (auch aufgrund der -zumindest heute- regulären Öffnungszeiten bis 20 Uhr) absolut zu rechtfertigen.
"Jeder Tag, an dem Du nicht hechelst, ist ein verlorener Tag!" (Bonzaii! Inc. 2004)
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